Mann im Rollstuhl der auch noch einen Blindenstock in der Hand hält, neben ihm läuft eine Frau in blauer Jeans und blauen Schuhen. Photo: Svklimkin, Pixabay

Barrierefrei Reisen in und nach Berlin

Berlin steht historisch für die Berliner Mauer, einer über Jahre unüberwindbare, die Stadt teilende Barriere. Diese Barriere haben die Berliner*Innen erfolgreich vor mehr als 30 Jahren beseitigt. Jetzt arbeitet die Stadt daran, auch die Alltagsbarrieren abzubauen. Im Folgenden erfährst Du Fakten, wie barrierefrei man nach und in Berlin reisen und sich bewegen kann. Welches Museum unsere barrierefreie Empfehlung ist und welcher Park sich von seiner besten barrierefreien Seite zeigt.

Anreise: Willkommen in Berlin

Flughafen, Menschen laufen über das Laufband mit Koffern in der Hand, Silhouetten, Sonne scheint direkt rein, Flugzeuge im Hintergrund Photo: Rudy and Peter Skitterians, Pixabay
Flughafen

Berlin hat 3 große Einfallstore. Den Flughafen am Stadtrand, den Hauptbahnhof mitten in der City und den ZOB (zentralen Omnibusbahnhof) am Messegelände in der City West.

Alle drei sind neu, modern und barrierefrei. Gerade am Flughafen und am Hauptbahnhof gilt aber immer, habt Geduld. Die Anzahl der Fahrstühle korrespondiert oft nicht mit der Anzahl der Nutzer, es ist einfach voll.

Wichtig ist, dass man mit den richtigen Kontakten Unterstützung bekommt:

  • BER: Flughafen Berlin Brandenburg
    • Flughafen Info (24/7): +49 (0)30 - 6091 58438
    • kostenloser Mobility Service im Abflugbereich, Marktplatz, Ebene E1 von 4 bis 23 Uhr
  • Deutsche Bahn Mobilitätszentren
    • Die Mobilitätszentren der Deutschen Bahn bieten unter anderem ein unentgeltlicher Begleitservice. Meldet Euch rechtzeitig unter: Mobilitätsservice-Zentrale: +49 (0)1806 - 512 512, msz@deutschebahn.com 
  • ZOB
    • Der ZOB präsentiert sich barrierefrei – nur die Wege von der S-Bahn oder U-Bahn zum ZOB sind sehr Berlin-like, leider etwas holprig. Auch hier gilt, nehmt Euch Zeit, dann wird es gut.

Öffentlicher Nahverkehr in Berlin

Leere Straßenbahn Haltestelle am Invalidenpark in Berlin. Blick auf die Anzeigentafel. Links leere Straße und rechts verlaufen die Gleise der Straßenbahn. Photo: Funny Turkish Dude, Pexels
Straßenbahn Haltestelle

Der öffentliche Nahverkehr in Berlin ist wie in allen großen Städten – großartig. Fast überall fahren moderne Züge und wenn mal ein „alter“ nicht barrierefreier Zug kommt, ist die Taktung so eng, dass es fast nicht auffällt.

Du brauchst noch einen Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel? Mit dem EasyCityPass Berlin hast du deine Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr in Berlin + Umland und kannst von zahlreichen Rabatten bei unseren touristischen Partnern profitieren. Kaufe deinen EasyCityPass Berlin direkt in unserem Onlineshop!

VBB-BAV steht für „Barrierefreier Alternativ-Verkehr“

Mit dem VBB-BAV hat die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zum 01.01.2026 ein neues Angebot für mobilitätseingeschränkte Personen in Berlin eingeführt.

VBB-BAV steht für „Barrierefreier Alternativ-Verkehr“. Dieser kostenlose Service unterstützt Menschen mit Behinderungen dabei, ihre Fahrt im öffentlichen Personennahverkehr in Berlin dennoch fortsetzen zu können - zuverlässig und sicher. Weitere Informationen findest du auf der Website des VBBs.

So funktioniert's - Mit dem VBB-BAV barrierefrei in Berlin unterwegs

  1. Aufzug ausgefallen oder nicht vorhanden?
    Kannst du deshalb deine Fahrt mit Bus oder Bahn aufgrund deiner Behinderung nicht antreten oder nicht fortsetzen? Dann rufe das VBB-BAV-Kundencenter an: 030 – 25 41 44 44
  2. Dein Fahrtwunsch wird geprüft.
    Die Mitarbeitenden des VBB-BAV-Kundencenters beraten dich, ob eine barrierefreie Umfahrung mit dem Nahverkehr möglich ist.
  3. Keine barrierefreie Alternative? Du wirst abgeholt.Ist keine alternative Umfahrung möglich, organisiert der VBB-BAV ein geeignetes Taxi – bei Bedarf ein barrierefreies. Dieses bringt dich direkt zu einer geeigneten barrierefreien Station oder Haltestelle. Bei der Buchung wird darauf geachtet, dass VBB-BAV, Bus und Bahn sich gut ergänzen. Ändern sich durch die Nutzung des VBB-BAV die zu benutzenden Linien oder Umsteigepunkte, wirst du selbstverständlich über die neue Route informiert.

Kultur in Berlin

Frau im Rollstuhl vor einer grünen Blumenrabatte mit rot blühenden Pflanzen Photo: Freepik

Unser Tipp für einen barrierefreien Kulturgenuss ist ganz klar das Humboldforum Unter den Linden zwischen Museumsinsel, Alexanderplatz und Nikolaiviertel. An diesem geschichtsträchtigen Ort stand einst das Stadtschloss und dann der Palast der Republik.

Nun gibt es das Humboldtforum, ein Bau angelehnt an das ehemalige Berliner Stadtschloss. Es ist neu, in seiner Art einzigartig und auch ein bisschen umstritten. Über Eure Meinung zum Humboldtforum würden wir uns freuen.

Die Staatlichen Museen zu Berlin präsentieren hier das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Darüber hinaus findet ihr hier eine dauerhafte Berlin-Ausstellung.

Wichtig für Euch: Unter dem Motto EIN FORUM FÜR ALLE wird hier gleichberechtigte kulturelle Teilhabe gelebt.

Informiert Euch genau hier: https://www.humboldtforum.org/de/barrierefreiheit/

Barrierefreie Sehenswürdigkeiten in Berlin

Blick auf das Brandenburger Tor an einem sonnigen Tag mit blauem Himmel. Einige Personen laufen durch das Tor. Photo: Diego HG, Pexels
Brandenburger Tor

Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können die Berliner Sehenswürdigkeiten auch bestens entdecken. Folgende Highlights solltet ihr euch nicht entgehen lassen:

Brandenburger Tor

Das Brandenburger Tor gehört zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und ist DAS Wahrzeichen Berlins. Das Brandenburger Tor und der umliegende Pariser Platz sind vollständig barrierefrei und stufenlos zugänglich. Für Rollstuhlfahrer:innen gibt es Rampen, die es einfacher machen, in die Nähe des Tors zu gelangen.

Reichstagsgebäude

Das Reichstagsgebäude ist der Sitz des deutschen Bundestages. Das Reichstagsgebäude und die Kuppel sind weitgehend barrierefrei. Rollstuhlfahrer:innen bietet besonders der Eingang West C am Platz der Republik mit seinen Rampen einen bequemen Zugang. Der spiralförmige Weg in der Glaskuppel ist stufenfrei und schräg angelegt, allerdings empfiehlt sich hierbei eine Begleitperson. Um Wartezeiten zu vermeiden, ist eine vorherige Anmeldung über das Online-Formular des Bundestages zwingend erforderlich. Der Eintritt ist frei.

  • Rollstuhlverleih: Für gehbehinderte Gäste stehen kostenfreie Leihrollstühle auf der Besucherebene zur Verfügung.
  • Für Menschen mit Sehbehinderung: Es gibt spezielle Führungen durch das Gebäude und den Plenarsaal sowie Audioguides und Tastmodelle in der Kuppel.
  • Für Hörgeschädigte: Die Plenarsaal-Besuchertribüne verfügt über Induktionsschleifen, und die Audioguides bieten Videos in Gebärdensprache.
  • Begleitung: Blindenführhunde dürfen selbstverständlich mit ins Gebäude genommen werden.

Museumsinsel Berlin

Seit dem 4. Dezember 1999 ist die Berliner Museuminsel UNESCO-Weltkulturerbe und beherbergt einige der bedeutendsten Museen Deutschlands. Die meisten Museen auf der Insel sind für Rollstuhlfahrer:innen zugänglich und verfügen über Aufzüge und Rampen, um den Zugang zu erleichtern.

  • Die zentrale Anlaufstelle ist die moderne James-Simon-Galerie, die über stufenlose Zugänge, Rampen und Aufzüge verfügt. Von hier aus sind fast alle Museen (Altes Museum, Neues Museum, Bode-Museum, Alte Nationalgalerie) für Rollstuhlfahrer:innen zugänglich. Assistenzhunde sind erlaubt.
  • Tickets und Begleitpersonen: Der Eintritt für eine notwendige Begleitperson (im Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen B) ist in der Regel frei. Tickets sollten vorab über den Online-Ticketshop gebucht werden.
  • Altes Museum: Der barrierefreie Zugang befindet sich am Haupteingang (Am Lustgarten); es ist jedoch ratsam, sich vorab beim dortigen Pförtner oder an der Kasse zu melden.
  • Pergamonmuseum: Aufgrund der umfassenden Grundsanierung ist das Hauptgebäude bis zur Wiedereröffnung am 4. Juli 2027 geschlossen.
  • Sehbehinderte und Hörgeschädigte: Viele Häuser bieten spezielle Tastmodelle, taktile Leitsysteme, Induktionsanlagen für Hörgeräte sowie inklusive Audioguides an.

Holocaust-Mahnmal

Das Holocaust-Mahnmal ist ein Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Das Denkmal ist weitgehend barrierefrei. Der unterirdische „Ort der Information“ ist stufenlos über einen Fahrstuhl erreichbar. Für Rollstuhlfahrer:innen sind spezielle, flache Wege durch das Stelenfeld markiert.

  • Rollstuhlverleih: Für den Ausstellungsbesuch können vor Ort Rollstühle kostenfrei ausgeliehen werden
  • Weitere Angebote: Es werden Führungen sowie Informationen in Leichter Sprache angeboten. Blindenführhunde dürfen in die Ausstellung mitgenommen werden.

Gedenkstätte Berliner Mauer - Bernauer Straße

Die Ausstellungen auf den Außengeländen sind größtenteils barrierefrei zugänglich. Auch Parkplätze für Menschen mit Behinderung stehen an vielen Orten zur Verfügung.

  • Die Ausstellung im Außengelände: erstreckt sich auf 1,4 Kilometer Länge entlang der Bernauer Straße und ist bedingt barrierefrei. Der Kernbereich umfasst den Abschnitt zwischen Gartenstraße und Strelitzer Straße (ca. 500 m). Das Besucherzentrum (Bernauer Straße 119) und das Dokumentationszentrum (Bernauer Straße 111) sind barrierefrei. Barrierefreie Aufzüge stehen beeinträchtigten Personen sowie Besucher:innen mit kleinen Kindern zur Verfügung. Für den Aufzug im Besucherzentrum wird ein Schlüssel benötigt, den man am Tresen erhält. Im Dokumentationszentrum kann der Aufzug mit einem Euroschlüssel betätigt werden. Gern könnt ihr euren privaten Euroschlüssel verwenden oder einen Euroschlüssel gegen Pfand am Informationstresen ausleihen.
  • Besucherzentrum: Am Informationstresen können Rollstühle, mobile Sitzgelegenheiten und Sitzstöcke kostenlos ausgeliehen werden
  • Dokumentationszentrum: Verleih von mobilen Sitzgelegenheiten für den Besuch der Dauerausstellung
  • Für Hörgeschädigte: Führungen durch die Außenausstellung können mit hörgerätkompatiblen Gruppenführungssystemen durchgeführt werden. Hierfür sind Induktionsschleifen vorhanden. Die Induktionsschleifen erhalten Sie am Informationstresen im Besucherzentrum.

Berlin ist grün

Frau sitzt im Rollstuhl eine Frau mit Hut hockt vor ihr, sie lachen beide Photo: Judita Mikalkevice, Pexels

Berlin ist groß, Berlin ist grün. Welcher der vielen Parks ist aus unserer Sicht für einen barrierefreien Besuch besonders geeignet?

Unser Tipp ist der „Park am Gleisdreieck“, eine urbane Fläche in Kreuzberg, in der Nähe des Potsdamer Platzes. Der Park ist zertifiziert von „Reisen für Alle“.

Auf einem ehemaligen Bahngelände findet ihr große Rasenflächen, Spiel- und Sportareale, wilde Vegetationsflächen und – auch ganz wichtig – mit BRLO (unserem EasyCityPass-Partner) einen der schönsten Biergärten der Stadt.

Nützliche Apps/Links für barrierefreies Reisen

Eine Person hält ein Handy in der Hand und schaut auf das Display. Die Umgebung ist dunkel und nur das Display leuchtet hell. Photo: Leon, Pexels
Handy

Um sich möglichst bequem durch Berlin zu bewegen, haben wir noch ein paar nützliche Apps, mit denen man sich durch Berlin navigieren kann, wenn man eingeschränkt unterwegs ist:

  • Wheelmap: https://wheelmap.org
    • Mit dieser App findest du weltweit Orte, die rollstuhlgerecht sind. Einfach die gewünschte Adresse ins Suchfeld eingeben und das Ergebnis wird auf der Karte angezeigt.
  • Brokenlifts: https://www.brokenlifts.org/
    • Auf dieser Website findest du heraus, welche Aufzüge im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg funktionieren und welche momentan außer Betrieb sind.
  • Berlin für Blinde: https://www.bfuerb.de/
    • Berlin für Blinde ist ein gemeinnützig produzierter Spezialreiseführer für blinde und sehbehinderte Berlinbesucher:innen und Berlinbewohner:innen. Er wird recherchiert von Menschen, die jeden Tag diese Stadt erleben.
  • VBB Bus & Bahn-Begleitservice: https://www.vbb.de/barrierefrei-unterwegs/begleitservice/
    • Der VBB Bus & Bahn-Begleitservice richtet sich an Personen, die sich aufgrund von Mobilitätseinschränkungen bei der Nutzung von Bus und Bahn unsicher fühlen. Dies sind vorwiegend Kund:innen, die einen Rollstuhl, Rollator oder eine Gehhilfe nutzen, seh-eingeschränkte oder blinde Menschen, gehörlose, aber auch stark verunsicherte Menschen.
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